Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe
Band I — 1797
312-313 An
Schiller [266]
Leipzig, den 1. Januar
1797
Ehe
ich von hier weggehe, muß ich noch ein
Lebenszeichen von mir geben und kürzlich meine Geschichte melden.
Nachdem wir am 28sten Dezember uns durch die Windweben auf dem
Ettersberge durchgewürgt hatten und auf Buttelstädt gekommen
waren, fanden wir recht leidliche Bahn und übernachteten in
Rippach. Am 29sten früh um 11 Uhr waren wir in Leipzig und haben
der Zeit eine Menge Menschen gesehen, waren meist mittag und abends zu
Tische geladen, und ich entwich mit Not der einen Hälfte dieser
Wohltat. Einige recht interessante Menschen haben sich unter der Menge
gefunden, alte Freunde und Bekannte habe ich auch wieder gesehen, sowie
einige vorzügliche Kunstwerke, die mir die Augen wieder
ausgewaschen haben.
Nun
ist noch heute ein saurer Neujahrstag zu
überstehen, indem frühmorgens ein Kabinett besehen wird,
mittags ein großes Gastmahl genossen, abends das Konzert besucht
wird, und ein langes Abendessen darauf gleichfalls unvermeidlich ist.
Wenn wir nun so um 1 Uhr nach Hause kommen, steht uns, nach einem
kurzen Schlaf, die Reise nach Dessau bevor, die wegen des eingefallenen
starken Tauwetters einigermaßen bedenklich ist; doch wird auch
das glücklich vorübergehen.
So
sehr ich mich freue, nach dieser Zerstreuung bald
zu Ihnen in die jenaische Einsamkeit zurückzukehren, so lieb ist
mir's, daß ich einmal wieder so eine große Menschenmasse
sehe, zu der ich eigentlich gar kein Verhältnis habe. Ich konnte
über die Wirkung der literarischen positiven und polemischen
Schriften manche gute Bemerkung machen, und das versprochene
Gegenmanifest wird nicht um desto schlimmer werden.
Leben
Sie recht wohl. Da wir schon morgen nach
Dessau gehen, so scheint es, daß die Reise überhaupt nicht
gar zu lange dauern wird.
Sagen
Sie Herrn von Humboldt, daß ich Doktor
Fischern gesehen habe, und daß er mir recht wohl gefallen hat.
Die Kürze der Tage und das äußerst böse Tauwetter
hindern mich übrigens, meinen Aufenthalt so zu nutzen, wie ich
wohl wünschte; doch findet man zufällig manches, was man
sonst vergebens sucht. Leben Sie nochmals wohl, vergnügt und
fleißig.
Goethe
313-314 An
Schiller [267]
Nach einer
vierzehntägigen Abwesenheit bin ich glücklich wieder
zurückgekommen, von meiner Reise sehr wohl zufrieden, auf der mir
manches Angenehme und nichts Unangenehmes begegnet ist. Ich habe viel
davon zu erzählen und werde, sobald ich nur wieder hier ein wenig
Ordnung gemacht, wenn es auch nur auf einen Tag ist, zu Ihnen
hinüber kommen. Leider kann ich nicht sogleich, so sehr ich auch
wünschte Herrn Oberbergrat Humboldt noch zu sprechen.
Grüßen Sie beide Brüder aufs beste und schönste
und sagen Sie, daß ich sogleich Anstalt machen werde, die
verzeichneten Bücher Herrn Gentz zu verschaffen.
Ich verlange sehr, Sie wieder zu sehen, denn ich bin
bald in dem Zustande, daß ich für lauter Materie nicht mehr
schreiben kann, bis wir uns wieder gesehen und recht ausgeschwätzt
haben.
Poetisches hat mir die Reise nichts eingetragen, als
daß ich den Schluß meines epischen Gedichts vollkommen
schematisiert habe. Schreiben Sie mir, was Ihnen indessen die Muse
gegönnt hat. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und sagen mir,
wie die Kleinen sich befinden.
Weimar, den 11. Januar
1797
Mit dem Buche, das mir Rat Schlegel mitbrachte, geht
es mir wunderlich. Notwendig muß es einer der damals
gegenwärtigen Freunde eingesteckt haben, denn ich habe es nicht
wieder gesehen und deshalb auch vergessen; ich will sogleich
herumschicken, um zu erfahren, wo es steckt. Wenn Sie Schlegeln sehen,
so sagen Sie ihm, daß ich ihm ein Kompliment von einer recht
schönen Frau zu bringen habe, die sich sehr lebhaft für ihn
zu interessieren schien.
Goethe
314-315 An
Goethe [268]
Jena, den 11. Januar 1797
Eben bekomme ich Ihren lieben Brief, der mich mit
der Nachricht von Ihrer Zurückkunft herzlich erfreut. Diese Zeit
Ihrer Abwesenheit von Jena währt mir unbeschreiblich lang; wiewohl
es mir gar nicht an Umgang fehlte, so hat es mir doch gerad an der
nötigsten Stärkung bei meinem Geschäft gemangelt. Kommen
Sie ja, sobald Sie können. Ich zwar habe nicht viel gesammelt, was
ich mitteilen könnte, desto begieriger aber und bedürftiger
werde ich alles aufnehmen, was ich von Ihnen hören kann.
Wir sind alle so wohl, wie wir zu sein pflegen;
untätig bin ich gar nicht gewesen, wiewohl in diesen düstern
drückenden Wintertagen alles später reift, und die rechte
Gestalt sich schwerer findet. Indessen, ich sehe doch ins Helle, und
mein Stoff unterwirft sich mir immer mehr. Die erste Bedingung eines
glücklichen Fortgangs meiner Arbeit ist eine leichtere Luft, und
Bewegung; ich bin daher entschlossen, mit den ersten Regungen des
Frühjahrs den Ort zu verändern und mir, wo möglich in
Weimar, ein Gartenhaus, wo heizbare Zimmer sind, auszusuchen. Das ist
mir jetzt ein dringendes Bedürfnis, und kann ich diesen Zweck
zugleich mit einer größern und leichtern Kommunikation mit
Ihnen vereinigen, so sind vorderhand meine Wünsche erfüllt.
Ich denke wohl, daß es gehen wird.
Die Reichardtische Sache habe ich mir diese Zeit
über aus dem Sinne geschlagen, weil ich mich darin mit Freuden in
Ihren Rat ergeben will. Sie überfiel mich in einer zu engen
Zimmerluft, und alles was zu mir kommt, muß noch dazu beitragen,
mir diese Widrigkeiten noch lastender zu machen.
Aber Wieland wird nun auch gegen die Xenien
auftreten, wie Sie aus dem ersten Stück des Merkur ersehen werden.
Es wäre doch unangenehm, wenn er uns zwänge, auch mit ihm
anzubinden, und es frägt sich, ob man nicht wohl täte, ihm
die Folgen zu bedenken zu geben.
Ihre Aufträge sollen besorgt werden. Ich lege
hier das zwölfte Horenstück bei, die übrigen Exemplare
kommen übermorgen.
Wir umarmen Sie alle herzlich.
Schiller
315-316 An
Goethe [269]
Jena, den 17. Januar 1797
Ich
mache eben Feierabend mit meinem Geschäft und sage Ihnen noch
einen guten Abend, eh ich die Feder weglege. Ihr letzter Besuch, so
kurz er auch war, hat eine gewisse Stagnation bei mir gehoben und
meinen Mut erhöht. Sie haben mich durch Ihre Beschreibungen wieder
in die Welt geführt, von der ich mich ganz abgetrennt fühlte.
Besonders aber erfreut mich Ihre lebhafte Neigung zu
einer fortgesetzten poetischen Tätigkeit. Ein neueres
schöneres Leben tut sich dadurch vor Ihnen auf, es wird sich auch
mir nicht nur in dem Werke, es wird sich mir auch durch die Stimmung,
in die es Sie versetzt, mitteilen und mich erquicken. Ich wünschte
besonders jetzt die Chronologie Ihrer Werke zu wissen; es sollte mich
wundern, wenn sich an den Entwicklungen Ihres Wesens nicht ein gewisser
notwendiger Gang der Natur im Menschen überhaupt nachweisen
ließe. Sie müssen eine gewisse, nicht sehr kurze Epoche
gehabt haben, die ich Ihre analytische Periode nennen möchte, wo
Sie durch die Teilung und Trennung zu einem Ganzen strebten, wo Ihre
Natur gleichsam mit sich selbst zerfallen war und sich durch Kunst und
Wissenschaft wieder herzustellen suchte. Jetzt deucht mir, kehren Sie,
ausgebildet und reif, zu Ihrer Jugend zurück, und werden die
Frucht mit der Blüte verbinden. Diese zweite Jugend ist die Jugend
der Götter und unsterblich wie diese.
Ihre kleine und große Idylle und noch
neuerlich Ihre Elegie zeigen dieses, so wie die alten Elegien und
Epigramme. Ich möchte aber von den früheren Werken, vom
Meister selber, die Geschichte wissen. Es ist keine verlorene Arbeit,
dasjenige aufzuschreiben, was Sie davon wissen. Man kann Sie ohne das
nicht ganz kennen lernen. Tun Sie es also ja und legen auch bei mir
eine Kopie davon nieder.
Fällt Ihnen etwas von der Lenzischen
Verlassenschaft in die Hände, so erinnern Sie sich meiner. Wir
müssen alles, was wir finden, für die Horen zusammenraffen.
Bei Ihrem veränderten Plan für die Zukunft können Sie
vielleicht auch die italienischen Papiere den Horen zu gut kommen
lassen.
An den Cellini bitte ich auch zu denken, daß
ich ihn etwa in drei Wochen habe.
Freund Reichardts Abfertigung bitte auch nicht ganz
zu vergessen.
Leben Sie recht wohl.
Schiller
316-317 An
Schiller [270]
Die wenigen
Stunden, die ich neulich mit Ihnen zugebracht habe, haben mich auf eine
Reihe von Zeit nach unserer alten Art wieder recht lüstern
gemacht; sobald ich nur einigermaßen hier verschiedenes
ausgeführt und manches eingerichtet habe, bringe ich wieder eine
Zeit mit Ihnen zu, die, wie ich hoffe, in mehr als Einem Sinn für
uns beide fruchtbar sein wird. Benutzen Sie ja Ihre besten Stunden, um
die Tragödie weiter zu bringen, damit wir anfangen können,
uns zusammen darüber zu unterhalten.
Ich empfange soeben Ihren lieben Brief und leugne
nicht, daß mir die wunderbare Epoche, in die ich eintrete, selbst
sehr merkwürdig ist; ich bin darüber leider noch nicht ganz
beruhigt, denn ich schleppe von der analytischen Zeit noch so vieles
mit, das ich nicht l o s w e r d e n und
kaum v e r a r b e i t e n kann. Indessen
bleibt mir nichts übrig, als auf diesem Strom mein Fahrzeug so gut
zu lenken, als es nur gehen will. Was bei dieser Disposition eine Reise
für Wirkung tut, habe ich schon die letzten 14 Tage gesehen;
indessen läßt sich ins Ferne und Ganze nichts voraussagen,
da diese regulierte Naturkraft so wie alle unregulierten durch nichts
in der Welt geleitet werden kann, sondern wie sie sich selbst bilden
muß, auch aus sich selbst und auf ihre eigne Weise wirkt. Es wird
uns dieses Phänomen zu manchen Betrachtungen Anlaß geben.
Der versprochene Aufsatz ist so reif, daß ich
ihn in einer Stunde diktieren könnte, ich muß aber notwendig
vorher mit Ihnen noch über die Sache sprechen, und ich werde um so
mehr eilen, bald wieder bei Ihnen zu sein. Sollte sich ein
längerer Aufenthalt in Jena noch nicht möglich machen, so
komme ich bald wieder auf einen Tag; solch ein kurzes Zusammensein ist
immer sehr fruchtbar.
Eine Abteilung Cellini korrigiere ich
gegenwärtig; haben Sie eine Abschrift von derjenigen, die im
nächsten Stück erwartet wird, so schicken Sie mir solche doch.
Ich schließe für diesmal und
wünsche, recht wohl zu leben.
Weimar, am 18. Januar 1797
Goethe
318 An
Goethe [271]
Jena, 24. Januar 1797
Nur
zwei Worte für heute. Ich hoffte, nach Ihrem letzten Brief, Sie
schon seit etlichen Tagen hier zu sehen. Die paar heitern Tage haben
mich auch wieder in die Luft gelockt und mir wohlgetan. Mit der Arbeit
geht's aber jetzt langsam, weil ich gerade in der schwersten Krise bin.
Das seh' ich jetzt klar, daß ich Ihnen nicht eher etwas zeigen
kann, als bis ich über alles m i t m i
r s e l b s t im reinen bin. Mit mir selbst
können Sie mich nicht einig machen, aber mein Selbst sollen Sie
mir helfen mit dem Objekte übereinstimmend zu machen. Was ich
Ihnen also vorlege, muß schon ein Ganzes sein, ich meine just
nicht mein ganzes Stück, sondern meine ganze Idee davon.
Der radikale Unterschied unserer Naturen, in
Rücksicht auf die Art, läßt überhaupt keine
andere, recht wohltätige Mittheilung zu, als wenn das Ganze sich
dem Ganzen gegenüberstellt; im einzelnen werde ich Sie zwar nicht
irre machen können, weil Sie fester auf sich selbst ruhen als ich,
aber Sie würden mich leicht über den Haufen rennen
können. Doch davon mündlich weiter.
Kommen Sie ja recht bald. Ich lege hier das Neueste
von Cellini bei, das neulich vergessen wurde.
Alles grüßt Sie. Die Humboldtin leidet
doch viel bei ihren Wochen und es wird langwierig werden.
Leben Sie recht wohl.
Schiller
318-319 An
Goethe [272]
[Jena, den 27. Januar 1797]
Da Sie jetzt mit Farben beschäftigt sind, so
will ich Ihnen doch eine Beobachtung mitteilen, die ich heute, mit
einem gelben Glase, gemacht. Ich betrachtete damit die Gegenstände
vor meinem Fenster, und hielt es so weit horizontal vor das Auge,
daß es mir zu gleicher Zeit die Gegenstände unter demselben
zeigte, und auf seiner Fläche den blauen Himmel abspiegelte, und
so erschienen mir an den hochgelb gefärbten Gegenständen alle
die Stellen hell purpurfarbig, auf welche zugleich das Bild des blauen
Himmels fiel, so daß es schien, als wenn die hochgelbe Farbe, mit
der blauen des Himmels vermischt, jene Purpurfarbe hervorgebracht
hätte. Nach der gewöhnlichen Erfahrung hätte aus dieser
Mischung Grün entstehen sollen, und so sah auch der Himmel aus,
sobald ich ihn d u r c h das Glas betrachtete und
nicht bloß darin abspiegelte. Daß aber in dem letztern Fall
Purpur erschien, erklärte ich mir daraus, daß ich bei der
horizontalen Lage des Glases durch die Breite desselben, also den
dickern Teil, sah, der schon ins Rötliche fiel. Denn ich durfte
bloß das Glas von der einen Seite zuhalten und die
Gegenstände als wie in einen Spiegel hineinfallen lassen, so war
da ein reines Rot, wo vorher Gelb gewesen.
Ich sage Ihnen mit meiner Bemerkung schwerlich etwas
Neues, indessen wünschte ich zu wissen, ob ich mir das
Phänomen recht erklärte. Hinge es wirklich nur von der
größern oder geringeren Verdichtung des Gelben ab, um mit
dem Blauen bald Purpur, bald Grün hervorzubringen, so wäre
die Reziprozität dieser zwei letztern Farben noch interessanter.
Haben Sie gelesen, was Campe auf die Xenien erwidert
hat? Es geht eigentlich nur Sie an, und er hat sich auch höflich
benommen, aber den P e d a n t e n und
die W a s c h f r a u nur aufs neue
bestätigt. Was das Archiv des Geschmacks und der Genius der Zeit
zu Markte gebracht, haben Sie wohl schon gelesen, auch des Wandsbecker
Boten klägliche Verse.
Leben Sie recht wohl. Ich wünschte, daß
Sie bald von allen lästigen Amtsgeschäften frei zur Muse
zurückkehren möchten.
Schiller
320 An
Schiller [273]
Sonntag, den 29. Januar 1797
Wenigstens soll heute Abend Ihnen ein eilfertiges
Blatt gewidmet sein, damit Sie doch im allgemeinen erfahren, wie es mit
mir steht.
Ich habe diese Woche einige bedeutende Kontrakte zu
stande gebracht. Erstlich habe ich Dem. J a g e m a n
n für den hiesigen Hof und das Theater gewonnen;
sie
ist als Hofsängerin angenommen und wird in den Opern manchmal
singen, wodurch denn unsere Bühne ein ganz neues Leben
erhält. Ferner habe ich auch mein episches Gedicht verhandelt,
wobei sich einige artige Begebenheiten ereignet haben.
Daß bei solchen Umständen an keine
ästhetische Stimmung zu denken ist, läßt sich leicht
begreifen; indessen schließen sich die Farbentafeln immer besser
aneinander, und in Betrachtung organischer Naturen bin ich auch nicht
müßig gewesen; es leuchten mir in diesen langen Nächten
ganz sonderbare Lichter, ich hoffe es sollen keine Irrwische sein.
Ihre Farbenbeobachtung mit dem gelben Glase ist sehr
artig; ich glaube, daß ich diesen Fall unter ein mir schon
bekanntes Phänomen subsumieren kann, doch bin ich neugierig, bei
Ihnen gerade den Punkt zu sehen, auf welchem es beobachtet worden.
Grüßen Sie doch Humboldt vielmals und
bitten um Vergebung, daß ich die auf Italien sich beziehenden
Bücher noch nicht geschickt; Mittwoch soll etwas kommen.
Von xenialischen Dingen habe ich die Zeit nichts
gehört; in der Welt, in der ich lebe, klingt nichts Literarisches
weder v o r noch n a c h; der
Moment des Anschlagens ist der einzige, der bemerkt wird. In kurzem
wird sich zeigen, ob ich auf längere Zeit zu Ihnen kommen kann
oder ob ich nochmals nur eine augenblickliche Visite machen werde.
Leben Sie recht wohl; grüßen Sie, was Sie
umgibt und halten sich zum Wallenstein, soviel nur immer möglich
ist.
Goethe
321-322 An
Goethe [274]
Jena, den 31. Januar 1797
Zu der guten Acquisition für die Oper
wünsche ich Glück, und was das epische Werk betrifft, so
hoffe ich, Sie sind in gute Hände gefallen. Das Werk wird einen
glänzenden Absatz haben, und bei solchen Schriften sollte der
Verleger billigst keinen Profit zu machen suchen, sondern sich mit der
Ehre begnügen. Mit schlechten Büchern mag er reich werden.
Weil doch von merkantilischen Dingen die Rede ist,
so lassen Sie mich Ihnen eine Idee mitteilen, die mir jetzt sehr am
Herzen liegt. Ich bin jetzt genötigt, mich in der Wahl einer
Wohnung zu beeilen, da ein Gartenhaus hier zu verkaufen ist, welches
mir konvenient wäre, wenn ich hier wohnen bleiben wollte. Da ich
notwendig auf einen Garten sehen muß, und die Gelegenheit so
leicht nicht wieder kommen könnte, so müßte ich
zugreifen.
Nun sind aber verschiedene überwiegende
Gründe da, warum ich doch lieber in Weimar wohnen möchte, und
könnte ich dort eine Wohnung von derselben Art finden, so
möchte ich es wohl vorziehen. Nach den Erkundigungen, die ich habe
anstellen lassen, wird dieses aber schwer halten. Da Sie neulich von
Ihrem Gartenhause sprachen und meinten, es habe Raum genug, so
wünschte ich zu wissen, ob Sie es vielleicht für eine
längere Zeit entbehren und es mir ordentlich vermieten
könnten. Es ist ja ohnehin schade, daß es dasteht, ohne sich
zu verinteressieren, und mir wäre sehr damit geholfen.
Wären Sie dazu nicht ungeneigt, und
qualifizierte sich das Haus in den wesentlichen Dingen dazu, sommers
und winters bewohnt zu werden, so würden wir über die
Veränderungen, die noch nötig wären, leicht miteinander
einig werden können.
Was den Garten betrifft, so stünde ich für
meine Leute, daß nichts verdorben werden sollte.
Die Entfernung würde mich wenig abschrecken.
Meiner Frau ist eine äußere Notwendigkeit, sich in Bewegung
zu setzen, sehr gesund, und was mich betrifft, so hoffe ich nach
einigen Versuchen in freier Luft, mir auch mehr zutrauen zu können.
Vorderhand wünschte ich nun bloß zu
wissen, ob Sie überhaupt nur zu einer solchen Disposition geneigt
wären; das übrige würde dann auf eine nähere
Besichtigung ankommen.
Leben Sie recht wohl. Alles grüßt.
Schiller
Körner wünscht zu erfahren, ob Sie die
bestellten Musikalien und den Katalog der Wackerischen Auktion bekommen?
322-323 An
Schiller [275]
Sie
erhalten auch endlich wieder einmal einen Beitrag von mir, und zwar
einen ziemlich starken Heft Cellini; nun steht noch der letzte bevor,
und ich wünsche, daß wir alsdann wieder einen solchen Fund
tun mögen. Auch einige L e n z i a n a liegen
bei. Ob und wie etwas davon zu brauchen ist, werden Sie beurteilen. Auf
alle Fälle lassen Sie diese wunderlichen Hefte liegen, bis wir uns
nochmals darüber besprochen haben.
Mein Gartenhaus stünde Ihnen recht sehr zu
Diensten, es ist aber nur ein Sommeraufenthalt für wenig Personen.
Da ich selbst so lange Zeit darin gewohnt habe und auch Ihre
Lebensweise kenne, so darf ich mit Gewißheit sagen, daß Sie
darin nicht hausen können, um so mehr, als ich Waschküche und
Holzstall wegbrechen lassen, die einer etwas größeren
Haushaltung völlig unentbehrlich sind. Es kommen noch mehr
Umstände dazu, die ich mündlich erzählen will.
Der zu verkaufende Garten in Jena ist wohl
der S c h m i d t i s c h e ? Wenn er wohnbar ist,
sollten Sie ihn nehmen. Wäre denn einmal Ihr Herr Schwager hier
eingerichtet, so könnte man auf ein freiwerdendes Quartier
aufpassen und den Garten werden Sie, da die Grundstücke immer
stiegen, ohne Schaden wieder los. Jetzt ist ein Quartier, wie Sie es
wünschen, hier auf keine Weise zu finden.
Von Rom habe ich einen wunderlichen Aufsatz
erhalten, der vielleicht für die Horen brauchbar ist. Er hat den
ehemals sogenannten Maler Müller zum Verfasser und ist gegen
Fernow gerichtet. In den Grundsätzen, die er aufstellt, hat er
sehr recht, er sagt viel Gründliches, Wahres und Gutes; so ist der
Aufsatz auch stellenweise gut geschrieben, hat aber im ganzen doch
etwas Unbehülfliches, und in einzelnen Stellen ist der Punkt nicht
recht getroffen. Ich lasse das Werkchen abschreiben und teile es
alsdann mit. Da er genannt sein will, so könnte man es wohl mit
seinem Namen abdrucken lassen und am Schlusse eine Note
hinzufügen, wodurch man sich in die Mitte stellte und eine Art von
pro und contra eröffnete. Herr Fernow
möchte alsdann im Merkur, Herr Müller in den Horen seine
rechtliche Notdurft anbringen, und man hätte dabei Gelegenheit,
die mancherlei Albernheiten, die Herr Fernow mit großer Freiheit
im Merkur debitiert, mit wenig Worten herauszuheben.
Körnern danken Sie recht vielmals für das
überschickte Duett und den Katalogus; ersteres ist schon
übersetzt und auf dem Theater. Leben Sie recht wohl! Mein
Winterhimmel klärt sich auf, und ich hoffe, bald bei Ihnen zu
sein; alles geht mir gut von statten, und ich wünsche Ihnen das
Gleiche.
Weimar, am 1. Februar 1797
Goethe
323-325 An Goethe
[276]
Jena, den 2. Februar 1797
Mit der gestrigen Sendung haben Sie mich recht
erquickt, denn ich bin noch nie so in der Not gewesen, die Horen flott
zu erhalten, als jetzt. Die Arbeit vom Maler Müller soll mir sehr
leib sein; er ist sicher eine unerwartete und neue Figur, und es wird
uns auch sehr helfen, wenn ein Streit in den Horen eröffnet wird.
Die Lenziana, soweit ich bis jetzt hineingesehen, enthalten sehr tolles
Zeug, aber die Wiedererscheinung dieser Empfindungsweise zu jetzigen
Zeiten wird sicherlich nicht ohne Interesse sein, besonders da der Tod
und das unglückliche Leben des Verfassers allen Neid
ausgelöscht hat, und diese Fragmente immer einen biographischen
und pathologischen Wert haben müssen.
Zu einem Nachfolger des Cellini wäre
Vieilleville wohl sehr brauchbar, nur müßte er freilich
nicht sowohl übersetzt als ausgezogen werden. Wenn Sie selbst sich
nicht daran machen wollen und auch nichts anders Masse Gebendes wissen,
so will ich mich an den Vieilleville machen und bitte, mir ihn zu dem
Ende zu senden.
Niethammer, der diesen Brief mitnimmt, ist in der
Angelegenheit nach Weimar gereist, sich beim Geh. Rat Voigt wegen einer
außerordentlichen Professur in der Theologie zu melden. Es ist
nämlich ein anderer philosophischer Professor, namens Lange, darum
eingekommen, und Niethammers ganzer Lebensplan ist davon abhängig,
daß dieser Lange, der viel neuer ist als er, ihm nicht
zuvorkomme. Niethammer wird Sie bitten, Ihnen seine Angelegenheit
vortragen zu dürfen, und Sie werden diese arme Philosophie nicht
stecken lassen. Er ist nicht so unbescheiden, Ihnen zur Last fallen zu
wollen, er wünscht bloß, daß Sie dem Geh. Rat Voigt,
und wenn es Gelegenheit dazu gäbe, dem Herzog selbst davon sagen
möchten, daß Sie ihn kennen und einer solchen
Beförderung nicht für unwürdig halten.
Daß mein Plänchen auf Ihr Gartenhaus
unausführbar ist, beklage ich sehr. Ich entschließe mich
ungern, hier sitzen zu bleiben; denn wenn Humboldt erst fort ist, so
bin ich schlechterdings ganz allein, und auch meine Frau ist ohne
Gesellschaft. Ich will mich doch noch erkundigen, ob das Gartenhaus des
Geh. Rat Schmidt nicht verkäuflich ist; denn wäre es gleich
in seinem jetzigen Zustand nicht bewohnbar, so könnte ich es doch,
wenn es mein eigen wäre, in stand richten lassen, welches ich auch
bei dem Professor Schmidtischen hier tun müßte.
Leben Sie aufs beste wohl und kommen Sie ja, sobald
Sie können.
Schiller
325-326 An
Schiller [277]
Nach einer
sehr staubigen und gedrängten Redoute kann ich Ihnen nur wenige
Worte sagen.
Erstlich sende ich hier das Opus des Maler
Müllers abgeschrieben; ich habe es nicht wieder durchsehen
können und lege daher auch das Original bei. Da Sie es wohl nicht
sogleich brauchen, so konferieren wir vorher nochmals drüber, und
Sie überlegen ja wohl, ob am Stile irgend etwas zu tun ist. Leider
vergleicht er sich selbst ganz richtig mit einem Geist, der
notgedrungen spricht, nur äußert er sich nicht so leicht und
lustig wie Ariel. Vieles, werden Sie finden, ist ganz aus unserm Sinne
geschrieben und, auch unvollkommen wie sie ist, bleibt eine solche
öffentliche, ungesuchte und unvorbereitete Beistimmung
schätzbar. Am Ende ist's und bleibt's denn doch ein Stein, den wir
in des Nachbars Garten werfen; wenn er auch ein bißchen
aufpatscht, was hat's zu bedeuten. Selbst wenn wirklich etwas an Fernow
ist, muß es durch Opposition ausgebildet werden, denn seine
deutsche Subjektivität spricht nur immer entscheidender und
alberner von Rom her.
Zweitens sende ich Ihnen einen Gesang eines
wunderlichen Gedichtes. Da ich den Verfasser kenne, so macht mich das
im Urteil irre. Was sagen Sie? glauben Sie daß er poetisch Talent
hat? Es ist eine gewisse anmutige freie Weltansicht drin und eine
hübsche Jugend; aber freilich alles nur Stoff und, wie mich
dünkt, keine Spur von einer zusammenfassenden Form. Gesetzt, man
hätte eine poetische Schule, wo man die Hauptvorteile und
Erfordernisse der Dichtkunst wenigstens dem Verstande eines solchen
jungen Mannes klar machen könnte, was glaubten Sie, daß aus
einem solchen Naturell gezogen werden könnte? Jetzt weiß ich
ihm keinen Rat zu geben, als daß er kleinere Sachen machen soll.
Meine Aussicht, auf längere Zeit bei Ihnen zu
bleiben, verschiebt sich abermals weiter hinaus. Die Anstellung der
Jagemann und ihre Einleitung aufs Theater macht meine Gegenwart
höchst nötig; doch soll mich nicht leicht etwas abhalten,
Sonntag den 12ten zu Ihnen zu kommen; wir haben Vollmond und brauchen
bei der Rückkehr das zerrissene Mühltal nicht zu
fürchten.
Den Vieilleville will ich schicken, denn ich darf
nichts neues unternehmen. Vielleicht bildet sich die Idee zu einem
Märchen, die mir gekommen ist, weiter aus. Es ist nur gar zu
verständig und verständlich, drum will mir's nicht recht
behagen; kann ich aber das Schiffchen auf dem Ozean der Imagination
recht herumjagen, so gibt es doch vielleicht eine leidliche
Komposition, die den Leuten besser gefällt, als wenn sie besser
wäre. Das Märchen mit dem Weibchen im Kasten lacht mich
manchmal auch wieder an, es will aber noch nicht recht reif werden.
Übrigens sind jetzt alle meine Wünsche auf
die Vollendung des Gedichtes gerichtet, und ich muß meine
Gedanken mit Gewalt davon zurückhalten, damit mir das Detail nicht
in Augenblicken zu deutlich werde, wo ich es nicht ausführen kann.
Leben Sie recht wohl und lassen mich etwas von Ihrer Stimmung und Ihren
Arbeiten wissen.
Weimar, den 4. Februar 1797
Goethe
326-328 An
Goethe [278]
Jena, den 7. Februar 1797
Sie haben mir in diesen letzten Botentagen einen
solchen Reichtum von Sachen zugeschickt, daß ich mit dem
Besichtigen noch gar nicht habe fertig werden können, besonders da
mir von der einen Seite ein Garten, den ich im Handel habe, und von der
andern eine Liebeszene in meinem zweiten Akt den Kopf nach sehr
verschiedenen Richtungen bewegen.
Indessen habe ich mich gleich an das
Maler-Müllerische Skriptum gemacht, welches, zwar in einer
schwerfälligen und herben Sprache, sehr viel vortreffliches
enthält und nach den gehörigen Abänderungen im Stil
eines vorzüglich guten Beitrag zu den Horen abgeben wird.
In dem neuen Stück Cellini habe ich mich
über den Guß des Perseus recht von Herzen erlustigt. Die
Belagerung von Troja oder von Mantua kann keine größere
Begebenheit sein und nicht pathetischer erzählt werden als diese
Geschichte.
Über das Epos, welches Sie mir mitgeteilt,
werde ich Ihnen mehr sagen können, wenn Sie kommen. Was ich bis
jetzt darin gelesen, bestätigt mir sehr Ihr Urteil. Es ist das
Produkt einer lebhaften und vielbeweglichen Phantasie, aber diese
Beweglichkeit geht auch so sehr bis zur Unart, daß
schlechterdings alles schwimmt und davonfließt, ohne daß
man etwas von bleibender Gestalt darin fassen könnte. Bei diesem
durchaus herrschenden Charakter der bloßen gefälligen
Mannigfaltigkeit und des anmutigen Spiels würde ich auf einen
weiblichen Verfasser gefallen sein, wenn es mir zufällig in die
Hände geraten wäre. Es ist reich an Stoff und scheint doch
äußerst wenig Gehalt zu haben. Nun glaube ich aber,
daß das, was ich Gehalt nenne, allein der Form fähig werden
kann; was ich hier Stoff nenne, scheint mir schwer oder niemals damit
verträglich zu sein.
Ohne Zweifel haben Sie jetzt auch die Wielandische
Oration gegen die Xenien gelesen. Was sagen Sie dazu? Es fehlt nichts,
als daß sie im Reichsanzeiger stünde.
Von meiner Arbeit und Stimmung dazu kann ich jetzt
gerade wenig sagen, da ich in der Krise bin, und mein bestes feinstes
Wesen zusammennehme, um sie gut zu überstehen. Insofern ist mir's
lieb, daß die Ursache die Sie abhält, hieher zu kommen,
gerade diesen Monat trifft, wo ich mich am meisten nötig habe zu
isolieren.
Soll ich Ihre Elegie nun etwa zum Druck abschicken,
daß sie am Anfange Aprils ins Publikum kommt?
Zu dem Märchen wünsche ich bald eine recht
günstige Stimmung. Leben Sie recht wohl. Wir freuen uns, Sie auf
den Sonntag zu sehen.
Schiller
328-329 An
Schiller [279]
Ich freue
mich, daß Sie in Ihrem abgesonderten Wesen die ästhetischen
Krisen abwarten können; ich bin wie ein Ball, den eine Stunde der
andern zuwirft. In den Frühstunden suche ich die letzte Lieferung
Cellini zu bearbeiten. Der Guß des Perseus ist fürwahr einer
von den lichten Punkten, so wie bei der ganzen Arbeit an der Statue bis
zuletzt Naturell, Kunst, Handwerk, Leidenschaft und Zufall alles
durcheinander wirkt und dadurch das Kunstwerk gleichsam zum
Naturprodukt macht.
Über die Metamorphose der Insekten gelingen mir
auch gegenwärtig gute Bemerkungen. Die Raupen, die sich letzten
September in Jena verpuppten, erscheinen, weil ich sie den Winter in
der warmen Stube hielt, nun schon nach und nach als Schmetterlinge, und
ich suche sie auf dem Wege zu dieser neuen Verwandlung zu ertappen.
Wenn ich meine Beobachtungen nur noch ein Jahr fortsetze, so werde ich
einen ziemlichen Raum durchlaufen haben; denn ich komme nun schon oft
wieder auf ganz bekannte Plätze.
Ich wünsche, daß der Handel mit dem
Gartenhaus gelingen möge. Wenn Sie etwas daran zu bauen haben, so
steht Ihnen mein Gutachten zu Diensten.
Die Wielandische Äußerung habe ich nicht
gesehen, noch nichts davon gehört; es läßt sich
vermuten, daß er in der heilsamen Mittelstraße geblieben
ist. Leben Sie recht wohl; noch hoffe ich Sonntags zu kommen; Sonnabend
abend erfahren Sie die Gewißheit.
Weimar, den 8. Februar 1797
Goethe
329 An
Goethe [280]
Jena, den 9. Februar 1797
Es ist mir dieser Tage der Brief von Meyern wieder
in die Hände gefallen, worin er den ersten Teil seiner Reise bis
Nürnberg beschreibt. Dieser Brief gefällt mir gar wohl, und
wenn sich noch drei, vier andere daran anschließen ließen,
so wäre es ein angenehmer Beitrag für die Horen und die paar
Louisdors könnte Meyer auch mitnehmen. Ich lege Ihnen die Copia
hier bei.
Von Nicolai in Berlin ist ein Buch gegen die Xenien
erschienen; ich hab' es aber noch nicht zu Gesichte bekommen.
Ich habe jetzt ein zweites Gebot auf meinen
Schmidtischen Garten getan, 1150 Rthlr., und hoffe ihn um 1200 zu
bekommen. Es ist vorderhand zwar nur ein leichtes Sommerhaus und wird
auch wohl noch ein hundert Taler kosten, um nur im Sommer bewohnbar zu
sein; aber diese Verbesserung meiner Existenz ist mir alles wert. Wenn
ich erst im Besitz bin, und Sie hier sind, dann wollen wir Sie bitten,
uns zu raten und zu helfen.
Alles weitere mündlich. Ich hoffe, Sie
übermorgen gewiß zu sehen, schicke aber doch auf jeden Fall
die Horen heute mit. Inlage an Herdern bitte abgeben zu lassen.
Der Auftrag an meinen Schwager ist besorgt.
Leben Sie recht wohl.
Schiller
329-330 An
Schiller [281]
Die Horen
habe ich erhalten und danke für deren schnelle Sendung. Morgen bin
ich bei Ihnen, und wir können uns über manches ausreden;
morgen abend gehe ich zwar weg, hoffe aber über acht Tage auf
längere Zeit wieder zu kommen.
Dem verwünschten Nicolai konnte nichts
erwünschter sein, als daß er nur wieder einmal angegriffen
wurde; bei ihm ist immer bonus odor
ex re qualibet, und das Geld, das ihm der Band einbringt, ist
ihm gar nicht zuwider. Überhaupt können die Herren uns
sämtlich Dank wissen, daß wir ihnen Gelegenheit geben,
einige Bogen zu füllen und sich bezahlen zu lassen, ohne
großen Aufwand von produktiver Kraft.
Lassen Sie ja den Garten nicht weg, ich bin dem
Lokal sehr günstig; es ist außer der Anmut auch noch eine
sehr gesunde Stelle. Leben Sie recht wohl, ich freue mich auf morgen.
Ich esse mit Ihnen, aber allein; Geheimer Rat Voigt, der mit mir kommt,
wird bei Hufelands einkehren und Nachmittags verschränken wir
unsere Besuche.
Weimar, den 11. Februar 1797
Goethe
330-331 An
Goethe [282]
Jena, den 17. Februar 1797
Ich wünsche, daß Sie neulich wohl
mögen angekommen sein, Ihre Erscheinung war so kurz, ich habe mein
Herz gar nicht ausleeren können. Aber es ist wirklich notwendig,
daß man einander, wenn es nicht auf länger sein kann,
manchmal nur auf einige Stunden sieht, um sich nicht fremder zu werden.
Jetzt wird meine Sehnsucht, Luft und Lebensart zu
verändern, so laut und so dringend, daß ich es kaum mehr
aushalten kann. Wenn ich mein Gartenhaus einmal besitze und keine
große Kälte mehr nachkommt, so mache ich mich in vier Wochen
hinaus. Eher komme ich auch mit meiner Arbeit nicht recht
vorwärts, denn es ist mir, als könnte ich in diesen
verwünschten vier Wänden gar nichts hervorbringen.
Mein Schwager denkt mit Anfang des März zu
kommen. Er befindet sich aber wegen seiner Wohnung in einiger
Verlegenheit, weil diese erst nach Ostern frei wird, und wünschte
doch gleich mit seiner Frau und dem Kinde zu kommen. Dürfte ich
ihm in dem äußersten Fall, daß er kein Logis bis dahin
finden könnte, wo das von ihm gemietete Stitzerische frei wird,
Hoffnung machen, daß Sie ihm Ihr Gartenhaus auf die paar Wochen
überlassen wollen? Ich würde ihm raten, meine Schwägerin
so lange hieher ziehen zu lassen, aber da kommt unglücklicherweise
die Blatterninokulation in meinem und Humboldts Hause dazwischen,
welche in drei, vier Wochen vor sich gehen soll, und meine
Schwägerin will ihr Kind jetzt nicht inokulieren lassen. Ich
weiß also keinen andern Rat, und nehme darum mein Zuflucht zu
Ihnen.
Wünschten Sie Ihren Almanach nicht auf dem
Papier gedruckt zu sehen, worauf ich hier schreibe? Es ist viel
wohlfeiler als Velin, und mir kommt es wirklich eben so schön vor.
Das Buch kommt ohngefähr auf 13 Gr., da das Velin 18 Gr. kostet.
Hermann und Dorothea müßten sich prächtig darauf
ausnehmen.
Leben Sie recht wohl. Sehen Sie, daß Sie sich
sobald möglich von Ihren Geschäften los machen und Ihr Werk
vollenden.
Schiller
331-332 An
Schiller [283]
Ich wage es
endlich, Ihnen die drei ersten Gesänge des epischen Gedichtes zu
schicken; haben Sie die Güte, es mit Aufmerksamkeit durchzusehen,
und teilen Sie mir Ihre Bemerkungen mit. Herrn von Humboldt bitte ich
gleichfalls um diesen Freundschaftsdienst. Geben Sie beide das
Manuskript nicht aus der Hand, und lassen Sie mich es bald wieder
haben. Ich bin jetzt an dem vierten Gesang und hoffe mit diesem
wenigstens auch bald im reinen zu sein.
Ihrem Herrn Schwager wollte ich mein Gartenhaus bis
Ostern, aber freilich nur bis dahin, gern überlassen; doch
würde es nur als die letzte Ausflucht zu empfehlen sein: denn es
würde doch viel Umstände machen, es für die jetzige
Jahreszeit in Stand zu setzen, denn es ist kein Ofen darin, und
Möbel könnte ich auch nicht geben. Allein das ganze
Germarische Haus ist leer und die Fräulein, die ich soeben fragen
lasse, will es im ganzen oder zum Teil auf sechs Wochen vermieten, auch
wohl Meubles dazugeben.
Bei dem großen Drange aber, der hier nach
Quartieren ist, stehe ich nicht dafür, daß diese Gelegenheit
nur eine Woche offen bleibt. Sie müßten mir daher durch
einen Boten anzeigen, wie viel Raum man verlangt, und mir etwa zugleich
melden, wer bisher Ihres Herrn Schwagers Angelegenheiten besorgt hat,
damit man sich mit ihm bereden könne.
Meyer grüßt aufs beste und hat
beiliegendes sehr artiges Titelkupfer geschickt, das aber freilich in
die Hände eines sehr guten Kupferstechers fallen sollte,
worüber wir uns noch bereden wollen.
Der heutige Oberon fordert mich zur Probe; das
nächste Mal mehr.
Weimar, am 18. Februar 1797
Goethe
332-333 An
Schiller [284]
Aus meinen
betrübten Umständen muß ich Ihnen noch einen guten
Abend wünschen. Ich bin wirklich mit Hausarrest belegt, sitze am
warmen Ofen und friere von innen heraus, der Kopf ist mir eingenommen,
und meine arme Intelligenz wäre nicht im stande, durch einen
freien Denkaktus den einfachsten Wurm zu produzieren, vielmehr
muß sie dem Salmiak und dem Liquiriziensaft, als Dingen, die an
sich den häßlichsten Geschmack haben, wider ihren Willen die
Existenz zugestehn. Wir wollen hoffen, daß wir, aus der
Erniedrigung dieser realen Bedrängnisse, zur Herrlichkeit
poetischer Darstellungen nächstens gelangen werden, und glauben
dies um so sichrer, als uns die Wunder der stetigen Naturwirkungen
bekannt sind. Leben Sie recht wohl. Hofrat Loder vertröstet mich
auf einige Tage Geduld.
[Jena,] den 27. Februar 1797
Goethe
333 An
Goethe [285]
[Jena, den 27. Febr.]
Wir beklagen sie herzlich, daß Sie etwas so
ganz anderes hier gefunden haben, als Sie suchten. In solchen
Umständen wünschte ich Ihnen m e i n e
Fertigkeit im Übelbefinden, so würde Ihnen dieser Zustand
weniger unerträglich sein. Es ist übrigens kein groß
Kompliment für die Elementarphilosophie, daß nur der Katarrh
Sie zu einem so gründlichen Metaphysikus macht. Vielleicht kommen
Sie in diesem Zustand der Erniedrigung und Zerknirschung dazu, Fichtens
Aufsatz im Niethammerischen Journal zu durchlesen; ich hab' ihn heute
angesehen und mit vielem Interesse gelesen.
Können wir Ihnen eine Bequemlichkeit
verschaffen, so sagen Sie es uns ja. Schlafen Sie recht wohl; ich
hoffe, wenn Sie sich morgen noch ruhig halten und das Wetter gut
bleibt, so sehen wir Sie übermorgen.
Schiller
333-334 An
Schiller [286]
Der Katarrh
ist zwar auf dem Abmarsche, doch soll ich noch die Stube hüten,
und die Gewohnheit fängt an, mir diesen Aufenthalt erträglich
zu machen.
Nachdem die Insekten mich an den vergangenen Tagen
beschäftigt, so habe ich heute den Mut gefaßt, den vierten
Gesang völlig in Ordnung zu bringen, und es ist mir gelungen; ich
schöpfe daraus einige Hoffnung für die Folge. Leben Sie recht
wohl, und seien Sie von Ihrer Seite fleißig, und sagen Sie der
lieben Frau, daß ich für meine Teescheue durch den
abscheulichsten Kräutertee bestraft werde.
Jena, am 1. März 1797
Goethe
334 An
Goethe [287]
[Jena, den 1. März]
Es freut mich herzlich, daß Loders
Kräutertee, so über er auch schmeckt, einen poetischen Humor
und Lust zum Heldengedicht bei Ihnen geweckt hat. Ich bin, obgleich von
keinem Katarrh gehindert, seit gestern nicht viel avanciert, weil mein
Schlaf wieder sehr in Unordnung gewesen. Doch hoffe ich meine zwei
Piccolominis heute noch eine Strecke vorwärts zu bringen.
Haben Sie doch die Güte, Beiliegendes anzusehen
und zu überlegen, ob wir die Sache quaestionis nicht in Weimar
beschleunigen und allenfallsigen Obstakeln vorbeugen können. Es
liegt mir gar zu viel an der Sache, und daß sie auch bald
entscheiden werde. Vielleicht hat Voigt dabei zu sagen, und da sind Sie
wohl so gut und schreiben ihm ein Wörtchen.
Erholen Sie sich sobald möglich, daß wir
morgen wieder zusammen sein können.
Schiller
334-335 An
Schiller [288]
Ich habe
gleich an Geh. Rat Voigt geschrieben und schicke Ihnen den Brief, um
ihn nach Belieben absenden zu können. Zugleich erhalten Sie ein
monstroses Manuskript, welches zu beurteilen keines aller meiner Organe
geschickt ist. Möchten Sie es diese Nacht nicht brauchen!
Mein Katarrh ist zwar merklich besser, doch fange
ich an, die Stube lieb zu gewinnen, und da es ohnedem scheint,
daß die Musen mir günstig werden wollen, so könnte ich
wohl selbst meinen Hausarrest auf einige Tage verlängern, denn der
Gewinst wäre zu groß, wenn man so unversehens ans Ziel
gelangte.
Könnten Sie mir nicht einige Blätter von
dem schönen glatten Papier zukommen lassen und mir zugleich sagen,
wie groß die Bogen sind, und was das Buch kostet? Leben Sie wohl,
und führen Sie nur auch, wachend oder träumend, Ihre
Piccolominis auf dem guten Wege weiter.
[Jena,] den 1. März 1797
Goethe
335 An
Schiller [289]
Ich kann
glücklicherweise vermelden, daß das Gedicht im Gange ist,
und wenn der Faden nicht abreißt, wahrscheinlich glücklich
vollbracht werden wird. So verschmähen also die Musen den
asthenischen Zustand nicht, in welchen ich mich durch das Übel
versetzt fühle, vielleicht ist er gar ihren Einflüssen
günstig; wir wollen nun einige Tage so abwarten.
Daß wir an Voigt wegen der Gartensache
schrieben, war sehr gut. Bei der Pupillen-Deputation ist bis dato noch nichts eingegangen, die
Sache muß also bei dem akademischen Syndikat betrieben werden.
Ich dächte, Sie schrieben Faselius, was Sie hier von mir erfahren,
und ersuchten ihn, bei dem Syndikus Asverus auszuwirken, daß die
Sache hinüber komme; drüben soll sie keinen Aufschub leiden.
Ich wünsche sehr, daß die Sache zu stande komme, auch darum,
damit ich Ihnen bei meinem Hiersein noch einigen Rat zu künftiger
Einrichtung geben könne. Leben Sie recht wohl und
grüßen Ihre liebe Frau.
Jena, am 3. März 1797
Goethe
336 An
Schiller [290]
Die Arbeit
rückt zu und fängt schon an, Masse zu machen, worüber
ich denn sehr erfreut bin und Ihnen als einem treuen Freunde und
Nachbar die Freude sogleich mitteile. Es kommt nur noch auf zwei Tage
an, so ist der Schatz gehoben, und ist er nur erst einmal über der
Erde, so findet sich alsdann das Polieren von selbst. Merkwürdig
ist's, wie das Gedicht gegen sein Ende sich ganz zu seinem idyllischen
Ursprung hinneigt.
Jena, den 4. März 1797
Wie geht es Ihnen?
Goethe
336 An
Goethe [291]
[Jena, den 4. März]
Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen Abend
zu einem schönen und, wie ich nicht zweifle, fruchtbaren Tag. Der
heitre Himmel an diesem Morgen hat Sie wahrscheinlich auch belebt und
erfreut, aber Sie haben recht wohl getan, noch nicht auszugehen.
Es konnte gar nicht fehlen, daß Ihr Gedicht
idyllisch endigte, sobald man dieses Wort in seinem höchsten
Gehalte nimmt. Die ganze Handlung war so unmittelbar an die einfache
ländliche Natur angebaut, und die enge Beschränkung konnte,
wie ich mir's denke, nur durch die Idylle ganz poetisch werden. Das was
man die Peripetie darin nennen muß, wird schon von weitem so
vorbereitet, daß es die ruhige Einheit des Tons am Ende durch
keine starke Passion mehr stören kann.
Vielleicht sehen wir Sie morgen? Es ist mir, ob wir
gleich nicht zusammen gekommen, doch eine freundliche Idee, Sie uns so
nah und jetzt in so guten Händen zu wissen. Schlafen Sie recht
wohl.
Schiller
337-338 An
Goethe [292]
Jena, den 4. April 1797
Aus der bisherigen Abwechslung und Geselligkeit bin
ich auf einmal in die größte Einsamkeit versetzt und auf
mich selbst zurückgeführt. Außer Ihnen und Humboldt hat
mich auch alle weibliche Gesellschaft verlassen, und ich wende diese
Stille dazu an, über meine tragisch-dramatische Pflichten
nachzudenken. Nebenher entwerfe ich ein detailliertes Szenarium des
ganzen Wallensteins, um mir die Übersicht der Momente und des
Zusammenhangs auch durch die Augen mechanisch zu erleichtern.
Ich finde, je mehr ich über mein eigenes
Geschäft und über die Behandlungsart der Tragödie bei
den Griechen nachdenke, daß der ganze Cardo rei in der Kunst liegt, eine
poetische Fabel zu erfinden. Der Neuere schlägt sich mühselig
und ängstlich mit Zufälligkeiten und Nebendingen herum, und
über dem Bestreben, der Wirklichkeit recht nahe zu kommen, beladet
er sich mit dem Leeren und Unbedeutenden, und darüber läuft
er Gefahr, die tiefliegende Wahrheit zu verlieren, worin eigentlich
alles Poetische liegt. Er möchte gern einen wirklichen Fall
vollkommen nachahmen und bedenkt nicht, daß eine poetische
Darstellung mit der Wirklichkeit eben darum, weil sie absolut wahr ist,
niemals koinzidieren kann.
Ich habe diese Tage den Philoktet und die
Trachinierinnen gelesen, und die letztern mit besonders großem
Wohlgefallen. Wie trefflich ist der ganze Zustand, das Empfinden, die
Existenz der Dejanira gefaßt! Wie ganz ist sie die Hausfrau des
Herkules, wie individuell, wie nur für diesen einzigen Fall
passend ist dies Gemälde und doch wie tief menschlich, wie ewig
wahr und allgemein. Auch im Philoktet ist alles aus der Lage
geschöpft, was sich nur daraus schöpfen ließ, und bei
dieser Eigentümlichkeit des Falles ruht doch alles wieder auf dem
ewigen Grund der menschlichen Natur.
Es ist mir aufgefallen, daß die Charaktere des
griechischen Trauerspiels, mehr oder weniger, idealische Masken und
keine eigentliche Individuen sind, wie ich sie in Shakespeare und auch
in Ihren Stücken finde. So ist z. B. Ulysses im Ajax und im
Philoktet offenbar nur das Ideal der listigen, über ihre Mittel
nie verlegenen, engherzigen Klugheit; so ist Kreon im Oedip und in der
Antigone bloß die kalte Königswürde. Man kommt mit
solchen Charakteren in der Tragödie offenbar viel besser aus, sie
exponieren sich geschwinder, und ihre Züge sind permanenter und
fester. Die Wahrheit leidet dadurch nichts, weil sie bloßen
logischen Wesen ebenso entgegengesetzt sind als bloßen Individuen.
Ich sende Ihnen hier, pour la bonne bouche, ein
allerliebstes Fragment aus dem Aristophanes, welches mir Humboldt
dagelassen hat. Es ist köstlich, ich wünschte den Rest auch
zu haben.
Dieser Tage bin ich mit einem großen
prächtigen Pergamentbogen aus Stockholm überrascht worden.
Ich glaubte, wie ich das Diplom mit dem großen wächsernen
Siegel aufschlug, es müßte wenigstens eine Pension
herausspringen, am Ende war's aber bloß ein Diplom der Akademie
der Wissenschaften. Indessen freut es immer, wenn man seine Wurzeln
weiter ausdehnt und seine Existenz in andere eingreifen sieht.
Ich hoffe bald ein neues Stück Cellini von
Ihnen zu erhalten.
Leben Sie recht wohl, mein teurer, mir immer
teurerer Freund. Mich umgeben noch immer die schönsten Geister,
die Sie mir hier gelassen haben, und ich hoffe immer vertrauter damit
zu werden. Leben Sie recht wohl.
Schiller
338-339 An
Schiller [293]
Mir ergeht
es gerade umgekehrt. Auf die Sammlung unserer Zustände in Jena bin
ich in die lebhafte Zerstreuung vielerlei kleiner Geschäfte
geraten, die mich eine Zeitlang hin und her ziehen werden; indessen
werde ich allerlei tun, wozu ich nicht die reinste Stimmung brauche.
Sie haben ganz recht, daß in den Gestalten der
alten Dichtkunst, wie in der Bildhauerkunst, ein Abstraktum erscheint,
das seine Höhe nur durch das was man Stil nennt, erreichen kann.
Es gibt auch Abstrakta durch Manier wie bei den Franzosen. Auf dem
Glück der Fabel beruht freilich alles, man ist wegen des
Hauptaufwandes sicher, die meisten Leser und Zuschauer nehmen denn doch
nichts weiter mit davon, und dem Dichter bleibt doch das ganze
Verdienst einer lebendigen Ausführung, die desto stetiger sein
kann, je besser die Fabel ist. Wir wollen auch deshalb künftig
sorgfältiger als bisher das, was zu unternehmen ist, prüfen.
Hier kommt Vieilleville erster Teil, die
übrigen kann ich nach und nach schicken.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau; ich habe sie
leider bei ihrem hiesigen Aufenthalte nicht gesehen.
Zu dem Diplom gratuliere ich; dergleichen
Erscheinungen sind, als barometrische Anzeigen der öffentlichen
Meinung, nicht zu verachten.
Leben Sie recht wohl, und schreiben Sie mir
öfter, ob ich gleich in der ersten Zeit ein schlechter
Korrespondent sein werde.
Weimar, am 5. April 1797
Goethe
339-341 An
Goethe [294]
Jena, den 7. April 1797
Unter einigen kabbalistischen und astrologischen
Werken, die ich mir aus der hiesigen Bibliothek habe geben lassen, habe
ich auch einen Dialogen über die Liebe, aus dem Hebräischen
ins Lateinische übersetzt, gefunden, das mich nicht nur sehr
belustigt, sondern auch in meinen astrologischen Kenntnissen viel
weiter gefördert hat. Die Vermischung der chemischen,
mythologischen und astronomischen Dinge ist hier recht ins Große
getrieben und liegt wirklich zum poetischen Gebrauche da. Einige
verwundersam sinnreiche Vergleichungen der Planeten mit menschlichen
Gliedmaßen lasse ich Ihnen herausschreiben. Man hat von dieser
barocken Vorstellungsart keinen Begriff, bis man die Leute selbst
hört. Indessen bin ich nicht ohne Hoffnung, diesem astrologischen
Stoff eine poetische Dignität zu geben.
Über die letzthin berührte Materie von
Behandlung der Charaktere freue ich mich, wenn wir wieder
zusammenkommen, meine Begriffe mit Ihrer Hilfe noch recht ins Klare zu
bringen. Die Sache ruht auf dem innersten Grunde der Kunst, und
sicherlich können die Wahrnehmungen, welche man von den bildenden
Künsten hernimmt, auch in der Poesie viel aufklären. Auch bei
Shakespeare ist es mir heute, wie ich den Julius Cäsar mit
Schlegeln durchging, recht merkwürdig gewesen, wie er das gemeine
Volk mit einer so ungemeinen Großheit behandelt. Hier, bei der
Darstellung des Volkscharakters, zwang ihn schon der Stoff, mehr ein
poetisches Abstraktum als Individuen im Auge zu haben, und darum finde
ich ihn hier den Griechen äußerst nah. Wenn man einen zu
ängstlichen Begriff von Nachahmung des Wirklichen zu einer solchen
Szene mitbringt, so muß einen die Masse und Menge mit ihrer
Bedeutungslosigkeit nicht wenig embarrassieren; aber mit einem
kühnen griff nimmt Shakespeare ein paar Figuren, ich möchte
sagen, nur ein paar Stimmen aus der Masse heraus, läßt sie
für das ganze Volk gelten, und sie gelten das wirklich; so
glücklich hat er gewählt.
Es geschähe den Poeten und Künstlern schon dadurch ein
großer Dienst, wenn man nur erst ins Klare gebracht hätte,
was die Kunst von der Wirklichkeit wegnehmen oder fallen lassen
muß. Das Terrain würde lichter und reiner, das Kleine und
Unbedeutende verschwände und für das Große würde
Platz. Schon in der Behandlung der Geschichte ist dieser Punkt von der
größten Wichtigkeit, und ich weiß, wie viel der
unbestimmte Begriff darüber mir schon zu schaffen gemacht hat.
Vom Cellini sehne ich mich, bald was zu bekommen, wo
möglich für das Aprilstück noch, wozu ich es freilich
zwischen heut und Mittwoch abend in Händen haben müßte.
Leben Sie recht wohl. Die Frau grüßt aufs
beste. Ich habe heute einen großen Posttag, sonst würde
mehreres schreiben.
Schiller
341-342 An
Schiller [295]
Herr von
Humboldt, der erst morgen früh abgeht, läßt Sie
schönstens grüßen und ersucht Sie, beiliegenden Brief
sogleich bestellen zu lassen.
Wir haben über die letzten Gesänge ein
genaues prosodisches Gericht gehalten und sie, so viel als möglich
war, gereinigt. Die ersten sind nun bald ins Reine geschrieben und
nehmen sich, mit ihren doppelten Inschriften, gar artig aus. Ich hoffe
sie die nächste Woche abzusenden.
Auch sollen Sie vor Mittwoch noch ein Stück
Cellini zu zwölf geschriebenen Bogen erhalten. Es bleiben alsdann
etwa noch sechs für den Schluß.
Übrigens geht es etwas bunt zu, und ich werde
in den nächsten vierzehn Tagen zu wenigem kommen.
Die astrologischen Verbindungen, die Sie mir
mitteilen, sind wunderlich genug; ich verlange zu sehen, was Sie
für einen Gebrauch von diesem Material machen werden.
Ich wünsche die Materie, die uns beide so sehr
interessiert, bald weiter mit Ihnen durchzusprechen. Diejenigen
Vorteile, deren ich mich in meinem letzten Gedicht bediente, habe ich
alle von der bildenden Kunst gelernt. Denn bei einem gleichzeitigen,
sinnlich vor Augen stehenden Werke ist das überflüssige weit
auffallender als bei einem, das in der Sukzession vor den Augen des
Geistes vorbeigeht. Auf dem Theater würde man große Vorteile
davon spüren. So fiel mir neulich auf, daß man auf unserm
Theater, wenn man an Gruppen denkt, immer nur sentimentale oder
pathetische hervorbringt, da doch noch hundert andere denkbar sind. So
erschienen mir diese Tage einige Szenen im Aristophanes völlig wie
antike Basreliefe und sind gewiß auch in diesem Sinne vorgestellt
worden. Es kommt im ganzen und im einzelnen alles darauf an: daß
alles von einander abgesondert, daß kein Moment dem andern gleich
sei; so wie bei den Charakteren, daß sie zwar bedeutend von
einander abstehen, aber doch immer unter ein Geschlecht gehören.
Leben Sie recht wohl, und arbeiten Sie
fleißig; sobald ich ein wenig Luft habe, denke ich an den
Almanach.
Weimar, den 8. April 1797
Goethe
342 An
Goethe [296]
Jena, den 11. April 1797
Ich sage Ihnen nur zwei Worte zum Gruß. Unser
kleiner Ernst hat das Blatternfieber sehr stark und uns heute mit
öftern epileptischen Krämpfen sehr erschreckt; wir erwarten
eine sehr unruhige Nacht, und ich bin nicht ohne Furcht.
Vielleicht kann ich morgen mit erleichtertem Herzen
mehr schreiben. Leben Sie recht wohl. Meine Frau grüßt Sie
aufs beste. Den Cellini bitte ja zu schicken.
Schiller
342-343 An
Schiller [297]
Möge
doch der kleine Ernst bald die gefährliche Krise überstehen
und Sie wieder beruhigen!
Hier folgt Cellini, der nun bald mit einer kleinen
Sendung völlig seinen Abschied nehmen wird. Ich bin, indem ich den
patriarchalischen Überresten nachspürte, in das alte
Testament geraten und habe mich aufs neue nicht genug über die
Konfusion und die Widersprüche der fünf Bücher Mosis
verwundern können, die denn freilich, wie bekannt, aus
hunderterlei schriftlichen und mündlichen Traditionen
zusammengestellt sein mögen. Über den Zug der Kinder Israel
durch die Wüsten habe ich einige artige Bemerkungen gemacht, und
es ist der verwegne Gedanke in mir aufgestanden: ob nicht die
große Zeit, welche sie darin zugebracht haben sollen, erst eine
spätere Erfindung sei? Ich will gelegentlich, in einem kleinen
Aufsatze, mitteilen, was mich auf diesen Gedanken gebracht hat.
Leben Sie recht wohl und grüßen
Humboldts, mit Überreichung beiliegender Berlinischen
Monatschrift, und geben mir bald von sich und den Ihrigen gute
Nachricht.
Weimar, am 12. April 1797
Goethe
343-344 An
Goethe [298]
Jena, den 14. April 1797
Ernstchen befindet sich wieder besser und scheint
die Gefahr überstanden zu haben. Die Blattern sind heraus, die
Krämpfe haben sich auch verloren. Die schlimmsten Zufälle hat
der Zahntrieb gemacht, denn ein Zahn kam gleich mit dem ersten Fieber
heraus, und ein zweiter ist eben im Ausbrechen. Sie werden mir wohl
glauben, daß ich in diesen Tagen, anfangs bei der Gefahr und
jetzt, da es besser geht, bei dem Schreien des lieben Kindes nicht viel
habe tun können. In den Garten kann ich auch nicht eher, als bis
es mit dem Kinde wieder in Ordnung ist.
Ihre Entdeckungen in den fünf Büchern
Mosis belustigen mich sehr. Schreiben Sie ja Ihre Gedanken auf, sie
möchten des Weges so bald nicht wieder kommen. Soviel ich mich
erinnere, haben Sie schon vor etlichen und zwanzig Jahren mit dem neuen
Testament Krieg gehabt. Ich muß gestehen, daß ich in allem,
was historisch ist, den Unglauben zu jenen Urkunden gleich so
entschieden mitbringe, daß mir Ihre Zweifel an einem einzelnen
Faktum noch sehr räsonnabel vorkommen. Mir ist die Bibel nur wahr,
wo sie naiv ist; in allem andern, was mit einem eigentlichen
Bewußtsein geschrieben ist, fürchte ich einen Zweck und
einen späteren Ursprung.
Haben Sie schon von einer mechanischen Nachbildung
von Malereien etwas gesehen? Mir ist ein solches Werk kürzlich aus
Duisburg zugeschickt worden, eine Klio, nicht gar halb
Lebensgröße, steingrau mit Ölfarbe auf hellblauem
Grunde. Das Stück macht einen überaus gefälligen Effekt,
und zu Zimmerdekorationen würde eine solche Sammlung sehr taugen.
Wenn das Stück mir geschenkt sein sollte, was nicht
ausdrücklich in dem Briefe steht, so wäre ich ganz wohl damit
zufrieden. Ich kann mir aber von der Verfertigung keinen rechten
Begriff machen.
Den Cellini erhielt ich vorgestern nicht frühe
genug, um ihn vor dem Absenden noch ganz durchlesen zu können, nur
bis zur Hälfte bin ich gekommen; habe mich aber wieder recht daran
ergötzt, besonders über die Wallfahrt, die er in seiner
Freude über das gelungene und besungene Werk anstellt.
Humboldt sagt mir von einem Chor aus Ihrem
Prometheus, den er mitgebracht habe, hat mir ihn aber noch nicht
geschickt. Er hat wieder einen Anfall von seinem kalten Fieber, das er
vor zwei Jahren gehabt; auch das zweite Kind hat das kalte Fieber, so
daß jetzt von der Humboldtschen Familie alles, bis auf das
Mädchen, krank ist. Und doch spricht man noch immer von nahen
großen Reisen.
Leben Sie recht wohl und machen Sie sich bald von
Ihren zerstreuenden Geschäften frei.
Schiller
344-345 An
Schiller [299]
Schon durch
Humboldt habe ich vernommen, daß Ihr Ernst wieder außer
Gefahr sei und mich im stillen darüber gefreut; nun wünsche
ich Ihnen Herzlich zu dessen Genesung Glück.
Das Oratorium ist gestern recht gut aufgeführt
worden, und ich habe manche Betrachtung über historische Kunst
machen können. Es ist recht schade, daß wir dergleichen
Erfahrungen nicht gemeinschaftlich erleben, denn wir würden uns
doch viel geschwinder in dem einen, was not ist, bestärken.
Montags gehen die vier Ersten M u s e n
ab, indes ich mich mit den fünf letztern fleißig
beschäftige und nun besonders die prosodischen Bemerkungen Freund
Humboldts benutze.
Zugleich habe ich noch immer die Kinder Israel in
der Wüste begleitet, und kann bei Ihren Grundsätzen hoffen,
daß dereinst mein Versuch über M o s
e Gnade vor Ihren Augen finden soll. Meine
kritisch-historisch-poetische Arbeit geht davon aus, daß die
vorhandenen Bücher sich selbst widersprechen und sich selbst
verraten, und der ganze Spaß, den ich mir mache, läuft
dahinaus, das menschlich Wahrscheinliche von dem Absichtlichen und
bloß Imaginierten zu sondern und doch für meine Meinung
überall Belege aufzufinden. Alle Hypothesen dieser Art bestechen
bloß durch das Natürliche des Gedankens und durch die
Mannigfaltigkeit der Phänomene, auf die er sich gründet. Es
ist mir recht wohl, wieder einmal etwas auf kurze Zeit zu haben, bei
dem ich mit Interesse, im eigentlichen Sinne, spielen kann. Die Poesie,
wie wir sie seit einiger Zeit treiben, ist eine gar zu ernsthafte
Beschäftigung. Leben Sie recht wohl und erfreuen sich der
schönen Jahreszeit.
Weimar, den 15. April 1797
Goethe
345-347 An
Goethe [300]
Jena, den 18. April 1797
Ich echappiere soeben aus der bleiernen Gegenwart
des Herrn Bouterwek, der mir einige Stunden lang schwer aufgelegen hat.
Ich erwartete zum wenigsten einen kurzweiligen Gecken in ihm zu finden,
statt dessen aber war's der seichteste lamentabelste Tropf, der mir
lange vorgekommen ist. Er war auch in Weimar, sagte mir aber, daß
er Sie nicht gesehen, welches mir sehr begreiflich war. Es ist
schrecklich, diese Herren in der Nähe zu sehen, die bei dem
Publikum doch auch was gelten, und ihre frühzeitige Impotenz und
Nullität unter einer Kennermiene zu verstecken suchen.
Da ist unser Woltmann, dem nichts recht ist, was
andre schreiben, dem's kein Mensch zu Danke machen kann. Jetzt habe ich
seine Menschengeschichte, die eben heraus ist, durchblättert.
Nein, das ist ein Greuel von einem Geschichtbuch, eine solche Impudenz
und Niaiserie zugleich und Tollheit können Sie sich nicht denken.
Das Buch macht Fronte gegen Philosophie und Geschichte zugleich, und es
ist schwer zu sagen, welcher von beiden es am meisten widerspricht. Ich
gäbe aber wirklich etwas drum, wenn dieses Buch nicht geschrieben
wäre, denn wenn es einem Unrechten in die Hände fällt,
so haben wir alle den Spott davon.
In meinen Arbeiten bin ich noch immer nicht viel
vorwärts gekommen, die Unruhe bei mir, da wir einander auch nicht
ausweichen können, zerstreute mich zu sehr. Indessen geht die
Suppuration bei dem Kleinen gut von statten und ohne alle Zufälle,
obgleich er sehr viele Blattern hat. Den Garten hoffe ich in vier Tagen
beziehen zu können, und dann wird mein erstes Geschäft sein,
ehe ich weiter fortfahre, die poetische Fabel meines Wallensteins mit
völliger Ausführlichkeit niederzuschreiben. Nur auf diese Art
kann ich mich versichern, daß sie ein stetiges Ganzes ist,
daß alles durchgängig bestimmt ist. Solang ich sie
bloß im Kopfe herumtrage, muß ich fürchten, daß
Lücken übrig bleiben; die ordentliche Erzählung zwingt
zur Rechenschaft. Diese detaillierte Erzählung lege ich Ihnen
alsdann vor, so können wir darüber kommunizieren.
Zur Absendung der vier ersten Musen wünsche ich
Glück. Es ist in der Tat merkwürdig, wie rasch die Natur
dieses Werk geboren, und wie sorgfältig und bedächtlich die
Kunst es ausgebildet hat.
Leben Sie recht wohl in diesen heitern Tagen. Wie
freue ich mich, ins künftige jeden schönen Sonnenblick auch
gleich im Freien genießen zu können. Vor einigen Tagen wagte
ich mich zu Fuß und durch einen ziemlich großen Umweg in
meinen Garten.
Meine Frau grüßt Sie aufs beste.
Schiller
347-348 An
Schiller [301]
Ich erfreue
mich besonders, daß Sie von der Sorge wegen des Kindes befreit
sind, und hoffe, daß seine Genesung so fortschreiten wird.
Grüßen Sie mir Ihre liebe Frau aufs beste.
Herrn Bouterwek habe ich nicht gesehen und bin nicht
übel zufrieden, daß diese Herren mich vermeiden.
Ich studiere jetzt in großer Eile das alte
Testament und Homer, lese zugleich Eichhorns Einleitung ins erste und
Wolfs Prolegomena zu dem letzten. Es gehen mir dabei die wunderbarsten
Lichter auf, worüber wir künftig gar manches werden zu
sprechen haben.
Schreiben Sie ja so bald als möglich Ihr Schema
zum Wallenstein und teilen Sie mir's mit. Bei meinen jetzigen Studien
wird mir eine solche Überlegung sehr interessant und auch für
Sie zum Nutzen sein.
Einen Gedanken über das epische Gedicht will
ich doch gleich mitteilen. Es es in der größten Ruhe und
Behaglichkeit angehört werden soll, so macht der V e r
s t a n d vielleicht mehr als an andere Dichtarten seine
Forderungen, und mich wunderte diesmal bei Durchlesung der Odyssee
gerade diese Verstandesforderungen so vollständig befriedigt zu
sehen. Betrachtet man nun genau, was von den Bemühungen der alten
Grammatiker und Kritiker, so wie von ihrem Talent und Charakter
erzählt wird, so sieht man deutlich, daß es
Verstandsmenschen waren, die nicht eher ruhten, bis jene große
Darstellungen mit ihrer Vorstellungsart überein kamen. Und so sind
wir, wie denn auch Wolf sich zu zeigen bemüht, unsern
gegenwärtigen Homer den A l e x a n d r i n e r n
schuldig, das denn freilich diesen Gedichten ein ganz anderes
Ansehen gibt.
Noch eine spezielle Bemerkung. Einige Verse im
Homer, die für völlig falsch und ganz neu ausgegeben werden,
sind von der Art, wie ich einige selbst in mein Gedicht, nachdem es
fertig war, eingeschoben habe, um das Ganze klarer und faßlicher
zu machen und künftige Ereignisse beizeiten vorzubereiten. Ich bin
sehr neugierig, was ich an meinem Gedicht, wenn ich mit meinen jetzigen
Studien durch bin, zu mehren oder zu mindern werde geneigt sein;
indessen mag die erste Rezension in die Welt gehen.
Eine Haupteigenschaft des epischen Gedichts ist,
daß es immer vor und zurück geht, daher sind alle
retardierende Motive episch. Es dürfen aber keine
eigentliche H i n d e r n i s s e sein, welche
eigentlich ins Drama gehören.
Sollte dieses Erfordernis des Retardierens, welches
durch die beiden Homerischen Gedichte überschwenglich erfüllt
wird, und welches auch in dem Plan des meinigen lag, wirklich
wesentlich und nicht zu erlassen sein, so würden alle Plane, die
gerade hin nach dem Ende zu schreiten, völlig zu verwerfen oder
als eine subordinierte historische Gattung anzusehen sein. Der Plan
meines zweiten Gedichts hat diesen Fehler, wenn es einer ist, und ich
werde mich hüten, bis wir hierüber ganz im klaren sind, auch
nur einen Vers davon niederzuschreiben. Mir scheint die Idee
außerordentlich fruchtbar. Wenn sie richtig ist, muß sie
uns viel weiter bringen und ich will ihr gern alles aufopfern.
Mit dem Drama scheint mir's umgekehrt zu sein; doch
hievon nächstens mehr. Leben Sie recht wohl.
Weimar, am 19. April 1797
Goethe
349 An
Goethe [302]
Jena, den 21. April 1797
Ich wollte Ihnen über Ihren letzten Brief, der
mir sehr vieles zu denken gegeben, manches schreiben, aber ein
Geschäft, das mir diesen Abend unvermutet wegnimmt, hindert mich
daran. Also nur ein paar Worte für heute.
Es wird mir aus allem, was Sie sagen, immer klarer,
daß die Selbständigkeit seiner Teile einen Hauptcharakter
des epischen Gedichtes ausmacht. Die bloße, aus dem Innersten
herausgeholte W a h r h e i t ist der Zweck des
epischen Dichters: er schildert uns bloß das ruhige Dasein und
Wirken der Dinge nach ihren Naturen; sein Zweck liegt schon in jedem
Punkt seiner Bewegung; darum eilen wir nicht ungeduldig zu einem Ziele,
sondern verweilen uns mit Liebe bei jedem Schritte. Er erhält uns
die höchste Freiheit des Gemüts, und da er u n s
in einen so großen Vorteil setzt, so macht er dadurch sich
selbst das Geschäft desto schwerer: denn wir machen nun alle
Anforderungen an ihn, die in der Integrität und in der allseitigen
vereinigten Tätigkeit unserer Kräfte gegründet sind.
Ganz im Gegenteil raubt uns der tragische Dichter unsre
Gemütsfreiheit, und indem er unsre Tätigkeit nach einer
einzigen Seite richtet und konzentriert, so vereinfacht er sich sein
Geschäft um vieles, und setzt sich in Vorteil, indem er uns in
Nachteil setzt.
Ihre Idee von dem retardierenden Gange des epischen
Gedichts leuchtet mir ganz ein. Doch begreife ich noch nicht ganz, nach
dem, was ich von Ihrer neuen Epopöe weiß, daß jene
Eigenschaft bei dieser fehlen soll.
Ihre weitern Resultate, besonders für das
Drama, erwarte ich mit großer Begierde. Unterdessen werde ich dem
Gesagten reiflicher nachdenken.
Leben Sie recht wohl. Mein kleiner Patient hält
sich noch immer recht brav, trotz des schlimmen Wetters. Meine Frau
grüßt herzlich.
Schiller
350-352 An
Schiller [303]
Ich danke
Ihnen für Ihre fortgesetzten Betrachtungen über das epische
Gedicht, ich hoffe, Sie werden bald nach Ihrer Art, in einer
schönen Folge, die Natur und Wesen desselben entwickeln, hier
indessen einige meiner Vermutungen.
Ich suchte das Gesetz der Retardation unter ein
höheres unterzuordnen, und da scheint es unter dem zu stehen,
welches gebietet: daß man von einem guten Gedicht den Ausgang
wissen könne, ja wissen müsse, und daß eigentlich das
Wie bloß das Interesse machen dürfe. Dadurch erhält die
Neugierde gar keinen Anteil an einem solchen Werke und sein Zweck kann,
wie Sie sagen, in jedem Punkte seiner Bewegung liegen.
Die Odyssee ist in ihren kleinsten Teilen beinah
retardierend, dafür wird aber auch vielleicht fünfzigmal
versichert und beteuert, daß die Sache einen glücklichen
Ausgang haben werde. So viele den Ausgang antizipierende Vorbedeutung
und Weissagungen stellen, wie mich dünkt, das Gleichgewicht gegen
die ewige Retardation wieder her. In meinem Hermann bringt die
Eigenschaft des Plans den besondern Reiz hervor, daß alles
ausgemacht und fertig scheint und durch die retrograde Bewegung
gleichsam wieder ein neues Gedicht angeht.
So hat auch das epische Gedicht den großen
Vorteil, daß seine Exposition, sie mag noch so lang sein, den
Dichter gar nicht geniert, ja daß er sie in die Mitte des Werks
bringen kann, wie in der Odyssee sehr künstlich geschehen ist.
Denn auch diese retrograde Bewegung ist wohltätig; aber eben
deshalb dünkt mich, macht die Exposition dem Dramatiker viel zu
schaffen, weil man von ihm ein ewiges Fortschreiten fordert, und ich
würde das den besten dramatischen Stoff nennen, wo die Exposition
schon ein Teil der Entwicklung ist.
Daß ich aber nunmehr dahin zurückkehre,
wo ich angefangen habe, so wollte ich Ihnen folgendes zur Prüfung
unterwerfen:
Mein neuer Stoff hat keinen einzigen retardierenden
Moment, es schreitet alles von Anfang bis zu Ende in einer graden Reihe
fort; allein er hat die Eigenschaft, daß große Anstalten
gemacht werden, daß man viele Kräfte mit Verstand und
Klugheit in Bewegung setzt, daß aber die Entwicklung auf eine
Weise geschieht, die den Anstalten ganz entgegen ist, und auf einem
ganz unerwarteten jedoch natürlichen Wege. Nun fragt sich, ob sich
ein solcher Plan auch für einen e p i s c h e n
ausgeben könne, da er unter dem allgemeinen Gesetz begriffen ist:
daß das eigentliche W i e und nicht
das W a s das Interesse macht oder ob man ein
solches Gedicht nicht zu einer subordinierten Klasse historischer
Gedichte rechnen müsse. Sehen Sie nun, mein Werter, wie sich etwa
diese zerstreute und flüchtige Gedanken besser ausarbeiten und
verknüpfen. Ich habe jetzt keine interessantere Betrachtung, als
über die Eigenschaften der Stoffe, inwiefern sie diese oder jene
Behandlung fordern. Ich habe mich darinnen so oft in meinem Leben
vergriffen, daß ich endlich einmal ins klare kommen möchte,
um wenigstens künftig von diesem Irrtum nicht mehr zu leiden. Zu
mehrerer Deutlichkeit schicke ich nächstens meinen neuen Plan.
Noch über einige Punkte Ihrer vorigen Briefe.
Woltmanns Menschengeschichte ist freilich ein
seltsames Werk. Der Vorbericht liegt ganz außer meinem
Gesichtskreise; das ägyptische Wesen kann ich nicht
beurteilen, aber wie er bei Behandlung der israelitischen Geschichte
das Alte Testament, so wie es liegt, ohne die mindeste Kritik, als eine
reine Quelle der Begebenheiten annehmen konnte, ist mir unbegreiflich.
Die ganze Arbeit ist auf Sand gebaut, und ein wahres Wunderwerk, wenn
man bedenkt, daß Eichhorns Einleitung schon zehn Jahre alt ist
und die
Herderischen Arbeiten schon viel länger wirken. Von den unbilligen
Widersachern dieser alten Schriften will ich gar nicht einmal reden.
Die Duisburger Fabrik, von der ich auch ein
Musterbild erhalten habe, ist ein kurioses Unternehmen, das durch
unsere Freunde im Modejournal verdient gelobt zu werden. Es ist ein
Kunstgriff, diese Arbeiten für mechanisch auszugeben, den die
Engländer auch schon einmal mit ihrer polygraphischen Gesellschaft
versucht haben. Es ist eigentlich nichts Mechanisches daran, als
daß alles, was dazu gehört, mit der größten
Reinlichkeit und in Menge durch einige mechanische Hilfsmittel gemacht
wird, und so gehört freilich eine große Anstalt dazu; aber
die Figuren sind nichtsdestoweniger gemalt. Anstatt daß sonst Ein
Mensch alles tut, so konkurrieren hier viele. Das Wachstuch des Grundes
wird erst mit großer Sorgfalt bereitet und alsdann die Figur,
wahrscheinlich von Blech ausgeschnitten, draufgelegt; nun streicht man
den Raum umher sorgfältig mit einer andern Farbe über, und
nun werden subalterne Künstler angestellt, um die Figur
auszumalen, das denn auch in großen Partien geschieht, bis
zuletzt der Geschickteste die Konture rektifiziert und das Ganze
vollendet. Sie haben artige Kunstgriffe, um den Pinsel zu verbergen,
und machen allerlei Späße, damit man glauben solle, das Werk
könne gedruckt sein. L a n g e r, ein Inspektor
von der Düsseldorfer Galerie, ein guter und geschickter Mann, ist
dabei interessiert, und sie mögen immer auch in ihrer Art dem
Publiko das Geld abnehmen. Nur weiß ich nicht recht, wie die
Sachen gebraucht werden sollen; sie sind nicht gut genug, um in Rahmen
aufgehängt zu werden, und dergleichen schon fertige Bilder in die
Wände einzupassen hat große Schwierigkeiten. Zu
Türstücken möchte es noch am ersten gehen. Zu loben ist
daran die wahrhaft englische Akkuratesse. Man muß das weitere
abwarten.
Ich wünsche, daß Sie bald in Ihrem Garten
ziehen und von allen Seiten beruhigt sein mögen.
Grüßen Sie mir Ihre liebe Frau aufs
beste, sowie auch Humboldt, dem ich eine baldige Wiederherstellung
wünsche.
Weimar, den 22. April 1797
Goethe
353-356 An
Goethe [304]
Jena, den 25. April 1797
Daß die Forderung des Retardierens aus einem
höheren epischen Gesetze folgt, dem auch noch wohl auf einem
anderen Wege Genüge geschehen kann, scheint mir außer
Zweifel zu sein. Auch glaube ich, es gibt zweierlei Arten zu
retardieren, die eine liegt in der Art des Weges, die andere in der Art
des Gehens, und diese deucht mir kann auch bei dem geradesten Weg und
folglich auch bei einem Plan, wie der Ihrige ist, sehr gut stattfinden.
Indessen möchte ich jenes höhere epische
Gesetz doch nicht ganz so aussprechen, wie Sie getan haben.
In d e r Formel: daß eigentlich nur
das W i e und nicht das W a s in
Betrachtung kommt usw., dünkt es mir viel zu allgemein und auf
alle pragmatische Dichtungsarten ohne Unterschied anwendbar zu sein.
Wenn ich meinen Gedanken darüber kurz heraussagen soll, so ist er
dieser. Beide, der Epiker und der Dramatiker, stellen uns eine Handlung
dar, nur daß diese bei dem letzteren der Zweck, bei ersterem
bloßes Mittel zu einem absoluten ästhetischen Zwecke ist.
Aus diesem Grundsatz kann ich mir vollständig erklären, warum
der tragische Dichter rascher und direkter fortschreiten muß,
warum der epische bei einem zögernden Gange seine Rechnung besser
findet. Es folgt auch, wie mir deucht, daraus, daß der epische
sich solcher Stoffe wohl tut zu enthalten, die den Affekt, sei es der
Neugierde oder der Teilnahme, schon für sich selbst stark erregen,
wobei also die H a n d l u n g zu sehr als Zweck
interessiert, um sich in den Grenzen eines bloßen Mittels zu
halten. Ich gestehe, daß ich dieses letztere bei Ihrem neuen
Gedicht einigermaßen fürchte, obgleich ich Ihrer poetischen
Übermacht über den Stoff das Mögliche zutrauen darf.
Die Art, wie Sie Ihre Handlung e n t w i
c k e l n wollen, scheint mir mehr der Komödie als dem Epos
eigen zu sein. Wenigstens werden Sie viel zu tun haben, ihr das
Überraschende, Verwunderung Erregende zu nehmen, weil dieses nicht
so recht episch ist.
Ich erwarte Ihren Plan mit großer Begierde.
Etwas bedenklich kommt es mir vor, daß es Humboldten damit auf
dieselbe Art ergangen ist wie mir, ungeachtet wir vorher nicht
darüber kommuniziert haben. Er meint nämlich, daß es
dem Plan an individueller epischer Handlung fehle. Wie Sie mir zuerst
davon sprachen, so wartete auch ich immer auf die eigentliche Handlung;
alles, was Sie mir erzählten, schien mir nur der Eingang und das
Feld zu einer solchen Handlung zwischen einzelnen Hauptfiguren zu sein,
und wie ich nun glaubte, daß diese Handlung angehen sollte, waren
Sie fertig. Freilich begreife ich wohl, daß die Gattung, zu
welcher der Stoff gehört, das Individuum mehr verläßt
und mehr in die Masse und ein Ganzes zu gehen zwingt, da doch einmal
der Verstand der Held darin ist, der weit mehr unter sich als in sich
faßt.
Übrigens mag es mit der epischen Qualität
Ihres neuen Gedichtes bewandt sein, wie es will, so wird es, gegen
Ihren Hermann gehalten, immer eine andere Gattung sein, und wäre
also der Hermann ein reiner Ausdruck der epischen G a t t u
n g und nicht bloß einer epischen S p e z i e
s, so würde daraus folgen, daß das neue Gedicht um
soviel weniger e p i s c h wäre. Aber das
wollten Sie ja eben wissen, ob der Hermann nur eine epische Art oder
die ganze Gattung darstelle, und wir stehen also wieder bei der Frage.
Ich würde Ihr neues Gedicht geradezu ein
komisch-episches nennen, wenn nämlich von dem gemeinen
eingeschränkten und empirischen Begriff der Komödie und des
komischen Heldengedichts ganz abstrahiert wird. Ihr neues Gedicht,
kommt mir vor, verhält sich ungefähr ebenso zu der
Komödie, wie der Hermann zu dem Trauerspiel: mit dem Unterschied
nämlich, daß dieser es mehr durch seinen Stoff tut, jenes
mehr durch die Behandlung.
Aber ich will erst Ihren Plan erwarten, um mehr
darüber zu sagen.
Was sagen Sie zu der Regensburger Friedensnachricht?
Wissen Sie etwas bestimmtes, so teilen Sie es uns ja mit. Leben Sie
bestens wohl.
Schiller
Was Sie den besten dramatischen Stoff nennen (wo
nämlich die Exposition schon ein Teil der E n t w i c
k l u n g ist) das ist z. B. in den Zwillingen des Shakespeare
geleistet. Ein ähnliches Beispiel von der Tragödie ist mir
nicht bekannt, obgleich der Oedipus
rex sich diesem Ideal ganz erstaunlich nähert. Aber ich
kann mir solche dramatische Stoffe recht wohl denken, wo die Exposition
gleich auch Fortschritt der Handlung ist. Gleich der Macbeth
gehört darunter, ich kann auch die Räuber nennen.
Dem Epiker möchte ich eine Exposition gar nicht
einmal zugeben; wenigstens nicht in dem Sinne, wie die des Dramatikers
ist. Da er uns nicht so auf das Ende zutreibt wie dieser, so
rücken Anfang und Ende in ihrer Dignität und Bedeutung weit
näher aneinander und nicht, weil sie zu etwas führt, sondern
weil sie selber etwas ist, muß die Exposition uns interessieren.
Ich glaube, daß man dem dramatischen Dichter hierin weit mehr
nachsehen muß; eben weil er seinen Zweck in die Folge und an das
Ende setzt, so darf man ihm erlauben, den Anfang mehr als Mittel zu
behandeln. Er steht unter der Kategorie der Kausalität, der Epiker
unter der Substantialität; dort kann und darf etwas als Ursache
von was anderem dasein, hier muß alles sich selbst um seiner
selbst willen geltend machen.
Ich danke Ihnen sehr für die Nachricht, die Sie
mir von dem Duisburger Unternehmen gegeben haben; die ganze Erscheinung
war mir so rätselhaft. Wenn es sonst tunlich wäre, so
würde es mich sehr reizen, ein Zimmer mit solchen Figuren zu
dekorieren.
Morgen endlich hoffe ich meinen Garten zu beziehen.
Der Kleine hat sich wieder ganz erholt, und die Krankheit, scheint es,
hat seine Gesundheit noch mehr befestigt.
Humboldt ist heute fort; ich sehe ihn mehrere Jahre
nicht wieder, und überhaupt läßt sich nicht erwarten,
daß wir einander noch einmal so wieder sehen, wie wir uns jetzt
verlassen. Das ist also wieder ein Verhältnis, das als beschlossen
zu betrachten ist und nicht mehr wieder kommen kann; denn zwei Jahre,
so ungleich verlebt, werden gar viel a n uns
und also auch z w i s c h e n uns verändern.
356-357 An
Schiller [305]
Mit dem
Frieden hat es seine Richtigkeit. Eben als die Franzosen wieder in
Frankfurt einrückten und noch mit den Österreichern im
Handgemenge waren, kam ein Kurier, der die Friedensnachricht brachte;
die Feindseligkeiten wurden sogleich eingestellt, und die
beiderseitigen Generale speisten mit dem Bürgermeister im roten
Hause. Die Frankfurter haben doch also für ihr Geld und ihr Leiden
einen Theater-Coup erlebt, dergleichen wohl nicht viel in der
Geschichte vorkommen, und wir hätten denn auch diese wichtige
Epoche erlebt. Wir wollen sehen, was den Einzelnen und dem Ganzen durch
diese Veränderung zuwächst.
Mit dem, was Sie in Ihrem heutigen Briefe über
Drama und Epos sagen, bin ich sehr einverstanden; so, wie ich immer
gewohnt bin, daß Sie mir meine Träume erzählen und
auslegen. Ich kann nun nichts weiter hinzufügen, sondern ich
muß Ihnen meine Plan schicken oder selbst bringen. Es werden
dabei sehr feine Punkte zur Sprache kommen, von denen ich jetzt im
allgemeinen nichts erwähnen mag. Wird der Stoff nicht für
rein episch erkannt, ob er gleich in mehr als Einem Sinne bedeutend und
interessant ist, so muß sich dartun lassen, in welcher anderen
Form er eigentlich behandelt werden müßte. Leben Sie recht
wohl, genießen Sie Ihres Gartens und der Wiedergenesung Ihres
Kleinen.
Mit Humboldt habe ich die Zeit sehr angenehm und
nützlich zugebracht; meine naturhistorischen Arbeiten sind durch
seine Gegenwart wieder aus ihrem Winterschlafe geweckt worden, wenn sie
nur nicht bald wieder in einen Frühlingsschlaf verfallen!
Weimar, am 26. April 1797
Goethe
Ich kann mich doch nicht enthalten, noch eine Frage
über unsere dramatisch-epische Angelegenheit zu tun. Was sagen Sie
zu folgenden Sätzen:
Im Trauerspiel kann und soll das Schicksal oder,
welches einerlei ist, die entschiedene Natur des Menschen, die ihn
blind da- oder dorthin führt, walten und herrschen; sie muß
ihn niemals zu seinem Zweck, sondern immer von seinem Zweck
abführen, der Held darf seines Verstandes nicht mächtig sein,
der Verstand darf gar nicht in die Tragödie entrieren als bei
Nebenpersonen zur Desavantage des Haupthelden usw.
Im Epos ist es gerade umgekehrt; bloß der
Verstand, wie in der Odyssee, oder eine zweckmäßige
Leidenschaft, wie in der Ilias, sind epische Agentien. Der Zug der
Argonauten als ein Abenteuer ist nicht episch.
357-359 An
Schiller [306]
Letzte Änderung
am 3. September 2026